Hermann Löns - Der zweckmäßige Meyer

Dann zeigte mir Meyer ein Pflanze, die er Wasserhahnenfuß, Batrachium, nannte. »Sehen Sie,« sagte er, »würde dieser Graben fließen, so würde diese Pflanze lauter untergetauchte, aber keine schwimmenden Blätter haben. Da das Wasser aber steht, so bringt sie es zu letzteren. Das ist das Gesetzt der Anpassung, das Darwin entdeckt hat.«
»Stimmt,« sagte ich; »es ist dasselbe, als wenn man einen Anarchisten aus den bewegten Wellen des Proletariats in die ruhigen Verhältnisse des Kapitalismus bringt; schon nach fünf Bierminuten wird er konservative Blätter treiben.«
»Da ist Unsinn,« sprach Meyer, »geben sie mir lieber eine Zigarre.« Ich gab sie ihm, und er fuhr fort: »Bemerken Sie jenen blanken Käfer?« Ich bemerkte ihn. »Derselbe ist im Besitz von vier Augen. Mit den oberen sieht er über dem Wasser, mit den unteren unter demselben her, um sowohl die Beute zu erspähen, die auf, als auch die, die unter dem Wasser schwimmt. Zu dem Behufe sind die oberen Augen anders konstruiert als die unteren.«
»Das ist mächtig praktisch,« erwiderte ich; »aber was macht er, wenn er einmal auf dem Rücken schwimmt und mit Wasseraugen in die Luft und mit den Luftaugen in das Wasser guckt?«
Meyer überging diesen triftigen Einwand und fuhr fort: »Diese kleinen Käfer, die hier überall fliegen, sind Aphodien, Mistkäferchen. Die Natur hat sie dazu bestimmt, alle exkrementalen Stoffe fortzuräumen. Mit unglaublicher Sicherheit wissen sie jeden Mist aufzufinden und fliegen auf ihn zu.«

Der zweckmäßige Meyer von Hermann Löns

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